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Ich
über mich 1
Ich weiß nicht wie man Maler wird, und Künstler zu werden war sicher nicht
der Berufswunsch den zu erfüllen mir meine Eltern in die Wiege gelegt hätten.
Obwohl der Umgang mit Bildern von meinem Vater her mir vertraut war, arbeitete
er doch als Maler, Dekorateur und Werbemann für diverse Kaufhäuser. Später
übernahmen meine Eltern ein Gasthaus, und ich, 1954 in Salzberg bei Berchtesgaden
geboren, wechselte vom Schuttplatz der Geschichte - die Ruinen des Obersalzbergs
waren die ersten Spielplätze an die ich mich erinnere - in die deftige Essenswelt
bayerischer Wirtshäuser. Als Künstler, als Maler zu arbeiten, der Gedanke
kam mir erst relativ spät, obwohl ich in den ganzen Jahren nebenher gezeichnet
und gemalt hatte , während ich Chemotechniker wurde, in einem Forschungsinstitut
arbeitete, das Abitur nachmachte und schließlich mein Traumfach Chemie zu
studieren begann. Im Zivildienst, ich hatte deshalb mein Studium zu unterbrechen,
nahm ich Abschied von meinen naturwissenschaftlichen Ambitionen und begann
anschließend Kunstgeschichte zu studieren. Noch 1982 hatte ich in München
meine erste Einzelausstellung und wurde im selben Jahr in den Berufsverband
bildender Künstler aufgenommen. Mit zunehmender Ausstellungstätigkeit und
damit verbundenem Erfolg entschied ich mich für die Existenz als freier
Maler. Nebenbei arbeitete ich bis 1995 als Dozent für Malerei und Maltechnik
an der Volkshochschule München. 1991 begann für mich die erfolgreiche Zusammenarbeit
mit einem Kunstverlag in Augsburg und 1995 schließlich übernahm ich ein
großes Atelier in München und richtete mir zudem eine druckgraphische Werkstatt
für Radierungen ein. Gleichzeitig intensivierte ich den Kontakt zu Künstlerkollegen,
wurde Mitglied und schließlich stellvertretender Vorstand bei einem gemeinnützigen
Künstlerverein. Als Künstler führe ich nun einen Werkstattbetrieb in bester
Tradition, was bedeutet, daß neben freier Malerei zahlreiche Auftragsarbeiten
entstehen: Von Portraits über Illustrationen für Bücher und Broschüren,
Plakatgestaltungen für Musik- und Theaterdarbietungen, bis zu Dekorationsmalereien
z.B. für Nachbauten historischer Musikinstrumente.
Robert C. Rore
1999
Ich über mich 2
Erstens: Künstler
wollte ich nicht werden. Zweitens: Ob man unbedingt schwul sein muß um Männer
zu malen, weiß ich nicht, aber es erleichtert die Sache ungemein. Zweites
lag sicher schon mit mir in der Wiege, als ich 1954 in Berchtesgaden auf
die Welt kam, ersteres zu entwickeln brauchte etwas länger, ebenso lange
wohl wie zweiteres für mich zu akzeptieren. Die Abfolge meiner kindlichen
Berufswünsche vom Geistlichen bis zum Lokführer oder umgekehrt, mit etlichen
Zwischenstufen, enthielten kein Künstlerdasein. Obgleich mein Vater ambitionierter
Maler war, dilettierend nur, aber nicht übel, lernte ich etwas Vernünftiges
und fand mich dann zwanzig Jahre nach meiner Geburt als Chemotechniker in
einem Labor wieder. Künstler wollte ich nicht werden. Ich begann Chemie
zu studieren und ich war recht zufrieden mit der Aussicht auf ein Dasein
als Chemiker. Wahrscheinlich mit Frau und Kindern. Ganz normal eben. Dann
allerdings mußte ich Zivildienst machen und hatte mein gerade begonnenes
Studium abzubrechen. Ich verfiel dabei auf die Idee, die Chance wahrzunehmen,
einmal im Leben ganz was anderes zu machen und entschloß mich, mit Schwerstbehinderten
zu arbeiten. Mit dem Wegwischen echter Scheiße begann ich auch den Rest
meines bisherigen Lebens wegzuwischen. Künstler wollte ich immer noch nicht
werden. Also studierte ich Kunstgeschichte und begann langsam in die Welt
von Bildern einzutauchen. Daß ich bisher nebenbei meine Lehrer und Professoren
gezeichnet hatte, alle meine Unterlagen künstlerisch gestaltet hatte, fiel
mir erst jetzt auf. Irgendwann war ich soweit zu begreifen, daß aus mir
nie ein Kunsthistoriker werden würde. Dann hatte ich meine erste Einzelausstellung
und wurde kurz darauf Mitglied im Berufsverband bildender Künstler. So bin
ich Künstler geworden und bin seitdem als freier Maler tätig. Ich machte
und beteiligte mich an zahlreichen Ausstellungen. Schließlich übernahm ich
ein großes Atelier in München und richtete mir zudem eine druckgraphische
Werkstatt für Radierungen ein. Gleichzeitig intensivierte ich den Kontakt
zu Künstlerkollegen, wurde Mitglied und schließlich stellvertretender Vorstand
bei einem gemeinnützigen. Als Künstler führe ich nun einen Werkstattbetrieb,
was bedeutet, daß neben freier Malerei zahlreiche Auftragsarbeiten entstehen:
Von Portraits über Illustrationen für Bücher und Broschüren, Plakatgestaltungen
für Musik und Theaterdarbietungen, bis zu Dekorationsmalerelen z. B. für
Nachbauten historischer Musikinstrumente. Meine Hauptsujets sind wohl Stilleben
und Architekturdarstellungen und mit der Zeit kamen Menschenbilder hinzu,
überwiegend Männerdarstellungen. Auf die Frage nach der Gemeinsamkeit meiner
sehr verschiedenen Motive, kann ich nur antworten: Die Erotik. Ich habe
für die Erotik einer Zwiebel, eines aufgerissenen Granatapfels oder einer
Barockarchitektur einen Sinn.
Robert C. Rore
1998 |
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